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#älterwerden

29. März 2016

Meine diesjährige Blogaktion wird in diesem Jahr etwas anders als sonst. Ich habe darauf verzichtet, mir den zehntausendsten Schreibmalfotozeichenirgendwaswettbewerb auszudenken und mich stattdessen dazu entschieden, ein paar Menschen dazu einzuladen, sich mit dem Thema Älterwerden auseinanderzusetzen.

Dieses Thema beschäftigt mich schon seit längerer Zeit und interessanterweise ist es offensichtlich so, dass es nicht nur mir so geht. In persönlichen Gesprächen ist die Reaktion oft sehr ähnlich: entweder wird das Thema direkt komplett abgewehrt oder zunächst ins Lächerliche gezogen. Wenn man dann aber weiter dran bleibt, stellt man sehr schnell fest, dass die Gedanken, Vorstellungen und Ängste oft sehr ähnlich gelagert sind.

Wir alle werden älter und ich habe das Gefühl, dass dieser Umstand für viele Menschen ein Tabuthema ist oder zumindest etwas, das man gerne verdrängt. Das ist eigentlich erstaunlich (oder eben auch nicht), weil die zunehmende Vergreisung unserer Gesellschaft ein relevantes Thema ist, mit dem wir alle uns werden auseinandersetzen müssen. Ich möchte gerne wissen, was dieses Thema mit euch macht, welche Aspekte euch besonders beschäftigen, ängstigen oder worauf ihr euch freut.

Im Idealfall entsteht durch die Texte und die hoffentlich zahlreichen Kommentare dazu eine Art Kompendium für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten.

Ich werde hier in diesem Beitrag alle Texte zum Thema verlinken und freue mich über Hinweise zu Texten, die vielleicht noch an anderen Stellen entstehen werden. Den Anfang mache ich direkt selbst mit meinem Text Über die Unsinnigkeit des Haderns.

Weitere Beiträge:

Über Briketts, Lebertran und Quittenspeck vom @MannvomBalkon

Das Leben ist schön von @brunoremix

#älterwerden von @wortmix

Von der Lust des Älterwerdens von @meikelobo

Alt und krank – taugt Ü50 noch? von Tina

Alt? Das sind doch immer nur die anderen… von Jaelle Katz

Das Alter – unendliche Weiten von @krangewage

#Älterwerden – Das Altern der Eltern von @Die_Mutti

Von jungen Hüpfern und alten Säcken von Nicolai Levin

Almost Fourty – ein Hoch auf die Zukunft von Kai van Heldth

Weise oder giftig ist die Frage von AgatheXX

#älterwerden von @alexmatzkeit

Bald drängele ich auch an der Kasse von @Mama_arbeitet

Altern: wie kann ich gut altern, wenn ich nicht alt werden möchte von Tollabea

alt. von @dorothy_jane

Club der alten Säcke von @VolkerK_

Alt wie ein Baum von Karen

Die alte Frau von @Teufelsküche

Ü70 – na und..!? von wvs

Wachsen, reifen, entwickeln – #älterwerden von @theRosenblatts

Gezeiten der Veränderung von @aufden2tenblick

Von der Schönheit von Lakritze

In diesem Sinne,

Ihre Frau Quadratmeter

Über die Unsinnigkeit des Haderns

29. März 2016

Dieser Text gehört zu meiner diesjährigen Blogaktion #älterwerden. Ich habe mehrere Autorinnen und Autoren dazu eingeladen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Weitere Informationen dazu findet ihr HIER.

Ich zähle zu den Menschen, die eher selten mit sich und der Welt hadern. Mein Glas ist meistens halb voll und nicht halb leer, ich bin glücklich und gesund, kann mich immer wieder für Neues begeistern und habe in meinem Leben vieles von dem erreicht, was ich mir einmal vorgenommen hatte. Wenn es mal schwieriger wird, habe ich den unerschütterlichen Optimismus einer Wüstenpflanze.

Für diese ganzen Umstände bin ich dankbar und mache sie mir auch immer mal wieder bewusst -schon allein wegen des kleinen Aberglaubens, der tief in mir wohnt, dass mir oder meinen Lieben etwas Böses widerfahren könnte, nur weil ich mein Glück nicht zu schätzen wusste.

Vielleicht ist es genau dieses Lebensgefühl, dass mich irgendwann so mit dem Älterwerden hat hadern lassen. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann das genau begann. Es war ein schleichender Prozess, den ich zunächst verdrängte, weil mir die damit zusammenhängenden Gedanken so ungewohnt düster und schwer vorkamen, dass ich sie nicht registrieren wollte.

Mit 20 war ich der Meinung, dass die ganze Welt mir gehört. Mit 30 war ich der Ansicht, dass ich jetzt erst so richtig weiß, wie der Hase eigentlich läuft. Mit 40 war ich sehr zufrieden, dass ich nicht mehr 30 bin und dass mir auch diese runde Zahl so gar keinen Eindruck macht.

Älterwerden hat ja den sehr positiven Effekt, dass man viele Dinge schon einmal gesehen und gehört oder erlebt hat, die Erfahrung hat einen schon so manches gelehrt und in vielen Situationen hat man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie eine Sache ausgehen wird. Das hat mich nicht davon abgehalten, dennoch einige unsinnige Dinge zu tun, bei denen ich vorher hätte wissen können, dass sie eigentlich vollkommen blödsinnig sind. Ich habe sie trotzdem getan – und würde die meisten von ihnen wieder tun.

Weniger erfreulich ist der physische Aspekt. Ich werde nie den Tag vergessen, als ich wegen starker Schmerzen im Fußgelenk zum Arzt ging, der dann eine altersbedingte Arthrose im Sprunggelenk diagnostizierte. Oder die Frage meiner Optikerin nach altersbedingten, hormonellen Veränderungen, die meine abnehmende Sehkraft hätten erklären können. Ich bin nun offensichtlich in einem Alter, in dem ich mir öfter mal anhören muss, dass gewisse Dinge degenerativ bedingt sind. Spaß macht das nicht, vor allen Dingen dann nicht, wenn das gefühlte Alter so gar nicht zum Alter laut Geburtsurkunde passen will.

Glücklicherweise guckt mir im Spiegel immer noch das Gesicht entgegen, das mich schon vor 20 Jahren angesehen hat. Ich habe nie meine Stirnhaut nach oben und die der Schläfen zur Seite gezogen, um mal zu sehen, ob ich dann irgendwie besser aussehe. Ich sehe ein paar Falten und hin und wieder mal ein graues Haar, die berühmten Weihnachtspfunde wieder loszuwerden war früher irgendwie einfacher, aber ansonsten ist da nichts, was mich wirklich stören würde. Im Zweifelsfall gibt es auch hierfür wieder irgendeine wissenschaftliche Studie, die belegt, dass man sich im Spiegel ganz anders sieht als man eigentlich ist. Sei`s drum, für mich passt es so.

Um so gravierender war für mich die an sich nicht erstaunliche Erkenntnis, dass ich mit einigermaßen vernünftigem Lebenswandel und einigem Glück maximal noch einmal die gleiche Lebensspanne vor mir habe, bevor ich sterbe. Das mag jetzt profan und vielleicht auch etwas albern klingen und mein jüngeres Ich hätte wohl auch nur müde eine Augenbraue hochgezogen, um sich dann einem anderen, spannenderen Thema zu widmen.

Mich aber hat das vorübergehend vollkommen aus der Bahn geworfen. Das war für mich so schwer zu fassen und gleichzeitig auch so intim und überfordernd, dass ich darüber lange mit niemandem gesprochen habe. Auch hier und jetzt fällt es mir schwer, dieses Gefühl der Ohnmacht und des Entsetzens in Worte zu fassen, dass mich in diesen Momenten überkam. Auf einmal war ich wieder 10 Jahre alt und saß nachts heulend in meinem Kinderbett, weil ich plötzlich begriff, dass meine Eltern immer älter werden und dann eines Tages sterben müssen. Mich hat das Thema zeitweise so beherrscht, dass ich täglich daran denken musste, nachts nicht schlafen konnte und an schlimmen Tagen heimlich heulend in irgendeiner Ecke saß, damit niemand etwas bemerkte.

Da waren zum einen die irrationalen Ängste, die vermutlich alle Eltern kennen. Die Sorte Ängste, die einen nachts ereilen, wenn der Rest der Familie friedlich schläft und eigentlich alles, warm, weich und behaglich um einen herum ist. Werde ich immer gesund genug sein, um für meine Kinder da zu sein, solange sie mich brauchen? Was, wenn ich auf der Strecke plötzlich eine schlimme Krankheit bekomme, die mich extrem beeinträchtigt oder die gar lebensbedrohlich ist?

Zum anderen fragt man sich, wie man altern wird. In unseren Familien werden die Menschen steinalt und sterben dann irgendwann hochbetagt. Was aber, wenn man irgendwann nicht mehr laufen kann? Was, wenn man dement wird? Wer öffnet mir irgendwann das neue Marmeladenglas und trägt mir den Wasserkasten nach oben? Werde ich im Supermarkt stehen und fremde Menschen um Hilfe bitten müssen, weil ich mich nicht mehr bücken kann? Wird mein Kopf irgendwann langsamer werden, so dass ich Zusammenhänge langsamer oder gar nicht mehr erfasse? Wird mir selbst das überhaupt auffallen? Werden unsere Kinder uns irgendwann pflegen müssen? Wie werden unsere eigenen Eltern weiter altern?

Irgendwann habe ich unabhängig voneinander mit zwei mir sehr lieben Menschen über das Thema gesprochen, beide ungefähr in meinem Alter. Und ich war sehr erstaunt und erleichtert, dass beide sofort wussten, was ich meine, wie es mir geht und wie sich das anfühlt, weil sie ebenfalls so eine Phase durchlaufen hatten. Einer der beiden hatte sogar recherchiert, dass es auch hierzu Studien gibt. Ich empfand diese Gespräche als ungeheuer tröstlich und tue es noch. Wir haben viele Stunden über das Älterwerden und über den Tod als letzte Konsequenz gesprochen und seitdem hat dieser Aspekt für mich überwiegend seinen Schrecken verloren. Es ist eine unverändert unerfreuliche Tatsache, aber ich kann damit mittlerweile ganz gut umgehen.

Ich habe sehr viele Dinge nicht oder nur ansatzweise angesprochen: die Angst vor Krankheit, Hilflosigkeit oder Einsamkeit. Die Frage, wie Perspektiven sich verschoben haben und ganz sicher auch in Zukunft noch verschieben werden. Man könnte über Sinn und Unsinn des medizinisch Machbaren reden. Über Gefühle und Beziehungen: zum Partner, zu den Kindern, zur Familie und zu Freunden. Über Ziele, die man sich setzt und Träume, die man sich erfüllen möchte. Über verpasste einmalige Gelegenheiten und die Frage, was gewesen wäre, wenn. Über den Wert von Erinnerungen, ihre Verlässlichkeit und die Frage, wie Erinnerungen sich im Laufe der Jahrzehnte verändern. Man könnte diese Liste noch ewig fortsetzen.

Aber ich lasse das so stehen. Zum einen werden hier in den nächsten Tagen noch andere Menschen zu Wort kommen, die ihren eigenen, das Thema bereichernden Blick auf die Dinge haben. Zum anderen habe ich das unbestimmte Gefühl, dass da draußen viele Menschen sind, denen es ähnlich geht und denen diese Zeilen vielleicht helfen, das Hadern sein zu lassen. Ich bin davon überzeugt, dass das Älterwerden ein Thema ist, das wir bisher viel zu sehr zur Seite geschoben haben. Das ist nicht besonders klug. Und das hat ein so wichtiges Thema eigentlich auch überhaupt nicht verdient.

Und nun hadern Sie nicht so, das macht nur Falten!

In diesem Sinne,

Ihre Frau Quadratmeter

Der Zwerg 

5. März 2016

Eines Tages im November lief er zu seiner Mutter und bat sie um einen Zwerg, ganz klein sollte er sein, selbst genäht und blau mit grüner Mütze. Seine Mutter wollte nicht so recht, er sei doch eigentlich schon zu groß, fast schon ein Schulkind. Was das denn solle. Und überhaupt, sie könne nicht besonders gut nähen. Er aber blieb beharrlich, hing an ihrem Arm und bat und schmeichelte und bettelte so lange, bis dass sie ihm mit einer seltsamen Mischung aus Verlegenheit, Verärgerung und Liebe versprach, seinen Zwerg zu nähen.
Als er abends dann in seinem Bett im angrenzenden Zimmerchen lag und schlief, suchte sie Nadel, Garn und kleine Stoffreste und nähte den Zwerg. Er war blau, hatte eine grüne Mütze und sein Gesicht war aus einem Filzrest, auf den sie Augen, Nase und Mund stickte. Als sie ihn zusammengenäht, ausgestopft und die letzten Stiche vernäht hatte, stand er reichlich schief und unbeholfen auf der Tischplatte und alles Zupfen und Drücken half nichts, er wollte nicht in eine angemessene Form geraten. Etwas ratlos sah sie den Zwerg an, dann erhellte sich ihr Gesicht und sie durchsuchte die alte Zigarrenkiste in der Anrichte, fand dort ein kleines Glöckchen und nähte es dem Zwerg an die Spitze seiner Zipfelmütze. Dann ging sie leise in das kleine Zimmer und legte ihm den Zwerg auf sein Kopfkissen.

Von jenem Tag an gehörte das leise Klingeln des Glöckchens zu ihren Nächten und man weiß nicht, wen von beiden das Geräusch mehr beruhigte.

Wort zum Montag

29. Februar 2016

Der Beitrag ist schon ein paar Tage alt, das ändert aber nichts an seiner Aktualität.

Ich hatte den Link heute früh schon getwittert, aber ich weiß ja, dass kein Mensch an einem Montagmorgen Zeit für 6:22 Minuten hat. Daher poste ich ihn  einfach noch einmal hier:

https://amp.twimg.com/v/f539b85d-9490-4677-a305-5faf3b489a1f

 

Die Sache mit dem Waschlappen 

25. Februar 2016

Ich habe eine Freundin, die mir immer wieder mal Fotos von Spinnen schickt. Mal sieht man die Spinne darauf auf Anhieb, mal sieht man sie erst auf den 2. Blick, aber immer sind sie groß und dick und schwarz. Meine Freundin macht das bestimmt lediglich aus reiner Fürsorge, um mich einfühlsam bei der Überwindung meiner ausgeprägten Spinnenphobie zu unterstützen.

Aber das wird so nicht funktionieren.

Vor etwa zwei Jahren hatte ich eine so unangenehme und prägende Begegnung mit einer Spinne, dass dieses eine Exemplar es tatsächlich geschafft hat, meine leichte Hysterie in Panik zu verwandeln.

Es war ein heißer Sommertag und eine der Meerjungfrauen hatte sich großflächig mit Eis beschmiert. Für solche Fälle haben wir immer einen Waschlappen, der im Bad über dem Wasserhahn hängt. Und da ich die Form und Konsistenz feuchter Waschlappen generell nicht besonders toll finde, gibt es bei uns nur die Handschuhvariante. Sie ist einigermaßen formstabil, das Wasser landet dort, wo es hingehört und man hat nicht einfach einen nassen Stoffklumpen in der Hand, der sich wie ein unregelmässig geformter Pflasterstein ohne Rückgrat anfühlt.

Ich drehte also das Wasser auf, schob meine Hand in den noch von der Morgentoilette etwas feuchten Waschlappen und gefühlt zeitgleich passierten folgende Dinge: etwas Großes krabbelte auf meine Hand, es zwickte mich in den Finger, ich riss panisch den Waschlappen von meiner Hand, griff eine Dose Haargel und hämmerte wie besessen auf den Waschlappen ein. 

Dem Kind kam das alles zurecht sehr seltsam vor, so dass es sich dazu entschloss, schnell seinen Papa zu holen. Der nahm den Waschlappen, sah hinein und entdeckte die Einzelteile einer großen, schwarzen Spinne, die es sich vermutlich einfach nur in diesem dunkeln, feuchten Winkel gemütlich gemacht hatte, um der Hitze zu entgehen.

Mich ekelt es heute noch, wenn ich an diese Begebenheit denke. Ich bin danach erst einmal für sechs Monate auf Feuchttücher umgestiegen und werde vermutlich nie wieder einen Waschhandschuh benutzen können, ohne ihn vorher vorsichtig von innen zu inspizieren.

Und bitte glauben Sie mir, das ist überhaupt nicht witzig.

In diesem Sinne wünsche ich einen spinnenfreien Tag,

Ihre Frau Quadratmeter

2016046

15. Februar 2016

Vor einigen Tagen fand ich bei @nutellagangbang auf Ello das hier verlinkte Video. Ich finde diesen Song so großartig und habe mich spontan in ihn verliebt.  Ich wünsche euch allen einen guten Montag!

2016045

14. Februar 2016

  
Sonntagsschnee. Draußen ist es noch stiller als ohnehin. Der Tag ist aus der Zeit gefallen und zieht die Relationen wieder etwas zurecht. 

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