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Nein, meine Suppe ess’ ich nicht!

19. Oktober 2016

Ich halte mich hier mit Kinderthemen ja einigermaßen zurück; es gibt massenweise Blogs, die sich an so ziemlich allen Themen rund um ihren Nachwuchs ausgiebig und regelmäßig abarbeiten.

Heute las ich dann allerdings eine Diskussion, die mich nach längerer Überlegung zu diesem Text veranlasste. Es ging um Kinder, die Zuhause nicht essen, was auf den Tisch kommt. Es schmeckt bei Mutti einfach nicht. Ich las von Sanktionen (kein Nachtisch, kein Süßkram) über „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ bis hin zu „Sie müssen aufessen. Wenn ihnen das nicht passt, gehen sie halt hungrig ins Bett! Keine Sperenzchen mehr!“ Ich weiß, das geschriebene Wort verleitet gerne zu Interpretationen, aber ich fand den Tonfall teilweise schon ziemlich beängstigend und diese Aussagen zumindest fragwürdig.

Ich frage mich, wie man eigentlich entspannt und mit Freude essen und dabei vielleicht auch mal was Neues probieren soll, wenn bei diesem Thema eine so kampfeslustige Grundstimmung am Tisch herrscht. Mal ganz davon abgesehen, dass das Essen mit 15-20 anderen Kindergartenkindern einfach viel mehr Spaß macht als Zuhause.

Beziehen solche Eltern ihre Kinder bei Einkauf und Zubereitung eigentlich nie mit ein? Wo ist das Problem, mehrere Zutaten zuzubereiten, so dass die Kinder sich a) selbst aussuchen können, was sie essen möchten und b) sich selbst etwas auf den Teller zu tun? Und wieso kann man das nicht so machen, dass immer eine Zutat dabei ist, die die Kinder bestimmt mögen? 

Was vermittelt man eigentlich Kindern, wenn die Nahrungsaufnahme an Belohnung bzw. Strafe gekoppelt ist (kein Essen = kein Nachtisch/keine Süßigkeiten/hungrig ins Bett)? Müssen die Kinder dann so lange vor den Tellern sitzen bleiben, bis dass sie alles aufgegessen haben? Müssen kleine Kinder Mengen schon zuverlässig einschätzen können, ohne dass sie die Möglichkeit dazu haben, das durch Üben zu erlernen?

Es geht mir nicht darum, mit einem alles verklärenden Weichzeichnereffekt auf solche Eltern einzuschlagen und zu behaupten, dass das mit dem Essen immer einfach ist. Ist es nicht. Und ich bekenne mich auch gerne dazu, noch nie ein Brot in Tierform gebracht zu haben, weil das so süß aussieht und die Kinder das dann viel lieber essen. Und Wurst in Bärchenform gibt es hier auch nicht.

Aber ich wundere mich schon ein bisschen über das, was ich da heute stellenweise so las. Und ich habe mir vorgestellt, wie in diesen Familien die Stimmung wohl so ist, wenn die da alle zusammen am Tisch sitzen. Ob die Kinder womöglich bei Tisch auch noch Sprechverbot haben. Und ob das der Sache wohl so dienlich ist.

Ja, Kinder machen Sperenzchen. Das gehört zum Großwerden dazu. Kinder rauben Eltern damit bisweilen den letzten Nerv. Das ist nicht sehr nett von ihnen, aber sie tun das meiner Erfahrung nach nicht, weil sie sich morgens beim Aufstehen vorgenommen haben, ihre Eltern heute mal richtig schön zur Weißglut zu bringen. Kinder leben einfach in einem riesengroßen Testprogramm.

Vielleicht haben diese Eltern aber auch einfach vergessen, dass sie auch mal klein waren, man weiß es nicht. Ich erinnere mich noch heute mit Grauen an eine furchtbare Erbsensuppe, die ich essen musste – und das drei Stunden lang.

In diesem Sinne wünsche ich einen entspannten Abend,

Ihre Frau Quadratmeter

5 Kommentare leave one →
  1. 24. November 2016 21:59

    Ich erinnere mich an eine Wurst, für die meine kleine Schwester so ca. mit vier Jahren am Tisch sitzen bleiben musste, bis sie aufgegessen war (ich weiß nicht mehr, wieso, normal war meine Mutter nicht so). Irgendwann hat sie sich das Ding in die Backentasche geschoben und ist zum Mittagsschlaf gegangen. Die ganze Zeit mit der Wurst im Mund. Ich bin zusammengebrochen vor Lachen, und als ich’s meiner Mutter erzählt habe, hat sie dann auch gelacht.
    Ich wurde nicht direkt zum essen gezwungen, aber ganz entspannt war es auch nicht. Ich hab als Kind sehr wenig gegessen, und meine Mutter hatte irgendwie wohl Angst, ich verhungere. Ich glaube, bei vielen steckt echt so eine Urangst dahinter, wenn sie das Gefühl haben, die Kinder essen nicht genug/nicht gesund genug/etcetc.

    Ich hab mich selbst aber auch schon geärgert, wenn ich was gekocht habe („ich will Nudeln mit Fleischsoße!!!“) und dann hieß es nach drei Bissen „smeckt mir nist!“ Oder „ich hab keinen Hunger mehr“. Aber zwingen bringt bei meinem Sohn nix. Der hat den gleichen Betonkopf wie ich und meine Mann😉 Ich frag mich eh, wie das gehen soll, die Kinder zum essen zwingen. Ich kenne keines, bei dem das je geklappt hätte.

  2. 19. Oktober 2016 22:42

    In Erinnerung sind mir nur die alljährlich wiederkehrenden Versuche meiner Familie, mir Tomaten schmackhaft zu machen. Sie sind glücklich misslungen.

  3. 19. Oktober 2016 20:45

    Ja.

  4. 19. Oktober 2016 20:37

    Ich finde es immer noch regelmäßig erschütternd, wie wenig viele Eltern ihre Kinder wirklich als vollwertige Personen behandeln, statt mehr oder weniger als Eigentum.
    Ist natürlich auch schwer, aber dadurch wird das Problem ja nicht weniger fürchterlich.

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