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Gastbeitrag: Vom Verliebtsein und den 40 Wochen…

12. Dezember 2010

Heute ist es nach langer Zeit mal wieder soweit: mein Blog wird mit einem Gasteitrag beehrt. Die von mir sehr geschätzte @Barfussbrarella, mit der ich ja schon beim Twittergedicht viel Spaß hatte, hat ihren ersten Blogbeitrag geschrieben und möchte damit mal in die Welt der Blogs schnuppern. Als Gastgeberin bitte ich daher um ein herzliches Willkommen, zahlreiche Kommentare und wünsche viel Spaß bei der Lektüre:

 

Vom Verliebtsein und den 40 Wochen…

Ich habe einmal gelesen, dass die Phase der Verliebtheit genauso lange dauert wie eine Schwangerschaft. 40 Wochen, also im Schnitt.

Die ersten 12 Wochen – Die kritische, unsichere Phase:

Anfangs weiß die Frau nicht, dass sie schwanger ist. Manche Frauen spüren vielleicht, dass etwas anders ist und allerspätestens beim Ausbleiben der Periode macht Frau den Test.

In dieser Phase spielen die Hormone verrückt. Der Frau ist schlecht, die Brüste spannen, sie ist müde und launisch. Manche Frauen merken keine besondere Veränderung.

Rund ein Drittel der Embryonen überleben die ersten 12. Wochen nicht. Das ist immer noch ein Tabu-Thema. Die meisten Menschen erfahren dies erst, wenn sie selbst damit in Berührung kommen. Ist das nicht schrecklich viel? Ein Drittel? ÄrztInnen und Hebammen bezeichnen diesen Vorgang als ganz natürlich. Die Natur selektiert, und nur die starken und gesunden Babies kommen durch. So das Prinzip. Die Theorie.

Und wenn wir das auf die Verliebtheit übertragen, ist das dort auch so?

Nur die starke und gesunde Verliebtheit überlebt diese Phase?

Wie auch die schwangere Frau, ist manchen verliebten Menschen ihre Verliebtheit anfangs vielleicht gar nicht bewusst. Eher unbewusst sucht man die Nähe des begehrten Subjekts, lacht über seine Anekdoten und hat einfach sehr gute Laune.

Definitiv spielen in dieser Zeit die Hormone verrückt. Der verliebte Mensch wird von seinen Gefühlen – ist es denn nun biologisch bedingt oder nicht – getrieben. Unmögliches wird möglich. Alles im Superlativ. Maximale Emotions-Achterbahn. Lust siegt über Vernunft. Das was wichtig war, ist es nicht mehr. Die Welt hat sich gedreht und der verliebte Mensch tanzt mit seiner Sonne im Mondlicht Tango.

Selbst die Wahrnehmung verändert sich. Die oft bemühte rosarote Brille ist meines Erachtens immer noch eine der zutreffendsten Beschreibungen für diesen Umstand.

Dennoch ist es auch die Phase des Kennenlernens. Diese spannende Zeit birgt Gefahren, Minenfelder. Vielleicht, je älter wir werden, umso größer ist das verminte Gebiet.

Der ‘Ne, das geht gar nicht.’ Gedanke: ein Massenverliebtheitsvernichter.

Seien es die äußeren oder inneren Umstände, aber sehr viele potentielle Beziehungen kommen über ein paar Mal Essen gehen und in der Qualität als durchaus unterschiedlich zu bewerteten Sexualerfahrungen nicht hinaus. Ob es wirklich ein Drittel ist? Wer weiß das schon.

13.-24. Woche – Die runde Phase:

Die Schwangerschaft ist nun sichtbar. Das Thema ist präsent. Alle Beteiligten haben sich mit der Situation mehr oder minder arrangiert. Man freut sich. Alles ist rund. Viele Frauen beschreiben diese Phase als die schönste Zeit der Schwangerschaft. Die anfänglichen Beschwerden sind vorbei, aber man ist auch noch nicht ‘so’ schwanger, dass man in seinem alltäglichen Handeln wirklich eingeschränkt wäre.

Das verliebte Paar wird nun auch sichtbar. Verliebte Menschen verlassen in dieser Phase das Bett und präsentieren sich vor Freundeskreis und Familie als das verliebteste Paar ever.

‘Diesmal ist es anders.’ ‘So glücklich war ich noch nie.’ Sätze, die schon den Apfelbaum im zukünftigen Garten einpflanzen.

Vielleicht hat man in der Phase nicht mehr 5 mal am Tag Sex, dafür kocht man gern zusammen und taucht in den Kindheitserinnerungen des anderen ein. Immer noch ist jede Geschichte spannend, immer noch hagelt es gemeinsame 1. Male, während man gleichzeitig staunend auf die wachsende gemeinsame Geschichte blickt.

In dieser Phase wird das ‘Wir’ geboren.

Ähnlich wie in der Schwangerschaft, wird der Verlust des Kindes, des ‘Wirs’ in dieser Phase als überaus traumatisch empfunden. Wenn es hier, und die Ursachen sind meisten unerklärlich, zu einem Ende der Liebe kommt, dann ist der Liebeskummer – bezieht man ihn nur auf die Dauer der Beziehung – erstaunlich groß. Ich vermute das liegt am traurigen Konjunktiv: Dass das, was daraus hätte werden können, etwas ganz Großes geworden wäre.

25.-40. Woche – Endspurt:

Die schwangere Frau ist nun unglaublich schwanger. Will heißen, das Baby im Bauch, der Umstand der Schwangerschaft dominiert den Alltag. Ob Frau will oder nicht.

Das Baby ist auch außerhalb des Bauches in Form von diversen Anschaffungen wie Kinderbett, Wickelkommode und Geburtsvorbereitungskurs im Leben sichtbar.

In spannender, manchmal auch ängstlicher Vorfreude zählt man die Tage. Am Ende dieser Phase haben Frauen in der Regel keine Lust mehr. Das Gefühl, dass der eigene Körper alienmässig assimiliert wurde und 9 Monate auch einfach eine verdammt lange Zeit sind, tun ihr übriges. Es ist jetzt alles sehr anstrengend und mühsam. Man ist nun bereit für das Wunder.

Auch der verliebte Mensch erlebt in dieser Phase Momente, die einfach nur anstrengend und mühsam sind. Die Konflikte und das Warten auf Kompromisse, die doch vor ein paar Monaten noch so leicht waren einzugehen, kosten Energie, Zeit und Liebeslust.

Und plötzlich sitzt da die Langweile abends mit auf dem kuscheligen Pärchensofa, die Müdigkeit lauert nachts zwischen den Laken und die Grundsatzfrage steht bei jedem noch so kleinem Angezicke bedrohlich im Raum. ‘Wollen wir das? Haben wir uns das so vorgestellt? Warum ist es nicht mehr so wie am Anfang? Warum macht es keinen Spaß mehr? Und verdammte Scheiße, warum lässt er die Klotür beim Pinkeln auf und seit wann lacht sie so affektiert?’

Am Ende dieser Phase steht die Entscheidung:

Leben wir das Wunder in der Hoffnung, dass wir es auch als solches ‘Erleben’?

Oder:

Trennen wir uns in der Hoffnung, dass wir so die als Wunder empfundene gemeinsame Zeit nicht kaputt machen?

Nach der Geburt:

Nichts ist so groß wie das Gefühl, das eigene Kind im Arm zu halten.

Nichts ist so groß wie das Gefühl, das ‘Wir’ zu lieben.

10 Kommentare leave one →
  1. 9. Januar 2011 14:47

    Ein sehr wunderbarer Vergleich. Schön zu lesen… Und weg bin ich auch, auf dem Weg zu Barfussbrarella`s Blog.😉

  2. 7. Januar 2011 16:45

    Ein wunderbarer Artikel! Die philosophische Ausdrucksweise
    führt mich doch glatt weiter zu Barfussbrarellas Blog.😉

  3. 14. Dezember 2010 09:26

    Gebt der Frau ein Blog! Schnell!

  4. 13. Dezember 2010 13:36

    Sehr schön… mehr davon =)

  5. 13. Dezember 2010 11:20

    Auch ich mag den Text so wie er ist, merci.🙂

    Und: Langeweile kann passieren, muss aber nicht.

  6. Schokokäse permalink
    13. Dezember 2010 01:32

    Ein interessanter Vergleich. Und vor allem sehr schön geschrieben🙂 Wer weiß, vielleicht kann ich mich ja auch irgendwann einmal zu den Zwei-Dritteln zählen und die „Schwangerschaft“ komplett durchleben.

  7. Stadtgorilla permalink
    12. Dezember 2010 22:40

    Danke für diesen unterhaltsamen und nachdenkenswerten Vergleich. Die Stelle, wenn aus der Verliebtheit das Kind der gemeinsamen Liebe erst ensteht, finde ich sehr gelungen. Wie schnell sagt man vorschnell: Ich liebe Dich, dabei ist das doch noch gar nicht geboren.
    Mehr von der Barfüßigen mit dem schwer zu lesenden Namen…

  8. 12. Dezember 2010 21:48

    Prinzipiell guter Beitrag. Auch wenn das ein wenig nach etwas allgemein gehaltener „Küchenpsychologie“ klingt (sorry, nicht böse gemeint). Die Frage ist: Muss es zur „Müdigkeit“ kommen? Oder gibt es andere Strategien, die schon bei der Wahl des Partners einsetzen.

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