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250, 150, 100, 50?

10. Dezember 2009

Die Firma Nespresso hat uns seit Erwerb der neuen Liebe offenbar adoptiert. Geduldig lassen wir seitdem aufwändige Briefsendungen in schweineteuer aussehenden Briefumschlägen mit entsprechender Haptik und sehr freundliche Mails über uns ergehen. Wir haben uns auch artig beim Nespresso-Club angemeldet, um online Kapseln bestellen zu können. Passend zur Weihnachtszeit ist das Verhältnis zwischen Nespresso und uns sehr harmonisch; wir sind mit der Maschine und der Qualität des Kaffees mehr als zufrieden.

Offenbar quält unsere Freunde bei Nespresso aber etwas.

Denn gestern erhielten wir eine Mail, in der man uns höflich gebeten hat, an einer Umfrage teilzunehmen. Da ich während meines Studiums mit solchen Dingen Geld verdient habe, musste ich mir das natürlich ansehen. Es beginnt zunächst harmlos mit Standardfragen á la „Wieviele Kaffee-Bestellungen haben Sie getätigt, seitdem Sie Clubmitglied bei Nespresso sind?“ und „Waren Sie insgesamt mit Ihrer ersten Bestellung beim Nespresso Club zufrieden?“ Dann möchte man wissen: „Wenn Sie an Ihre erste Bestellung beim Nespresso Club zurückdenken, was waren Ihre Erwartungen zu diesem Zeitpunkt?“ Kaffeekapseln?

Langsam finde ich das etwas öde, klicke aber wohlwollend weiter. Und siehe da, wir nähern uns dem eigentlichen Thema: den Accessoires. Ich bin ja eigentlich immer ein potentielles Opfer für derartige Dinge, fand die Accessoires bislang aber so dermaßen blöd oder so unverschämt teuer, dass sogar ein so mit einem Kauf-Gen vorbelastetes Wesen wie ich nicht in die Versuchung gekommen ist, selbiger zu erliegen.

Nespresso möchte nun wissen, was ich von einem viereckigen Plexiglasbehälter für die Kapseln halte, von einem offenen Plexiglasbehälter mit Einsätzen und einer Holzbox in Ebenholzoptik. Die Antwort hätte ich ihnen direkt geben können: teuer, unpraktisch und scheußlich. Das ist Nespresso aber offenbar zu pragmatisch, also klicke ich mich weiter durch kaffeebraune Umfrageseiten.

Und dann verknubbeln sich die Herrschaften von Nespresso bei allen drei Accessoires auf die gleiche umständliche und sehr unterhaltsame Art und Weise:

„Es wird Ihnen jetzt eine bestimmte Anzahl Angebote vorgestellt, die den Nespresso Clubmitgliedern, zu denen Sie gehören, zur Verfügung stehen.“ Das jeweilige Accessoire wird eingeblendet. Dann: „Hätten Sie damals bei Ihrer ersten Bestellung Gebrauch von diesem Angebot gemacht?“ Antwort siehe oben.

„Wenn Ihnen dieses Angebot bei Ihrer nächsten Bestellung unterbreitet würde, würden Sie es annehmen?“ Nei-hein!

Nun soll ich bei mehreren Aussagen zustimmen oder auch nicht. Mein Lieblingssatz steht schnell fest: „Das angebotene Accessoire verschönert den Kaffeegenuss mit meinen Freunden/Freundinnen.“  Wie konnte ich meiner Freundin bisher den Kaffee ohne den Plexiglasbehälter abieten?! Ich bin ein hoffnungsloser Fall, unaufmerksam, ohne Sinn für Ästhetik und Stil.

Nespresso hat nun gemerkt, dass ich so gar keine Lust auf Plexiglasgedöns und Ebenholzimitatboxen habe, lässt aber weiterhin nicht locker:

„Hätten Sie das Angebot angenommen, wenn die zu kaufende Mindestanzahl an Kapseln 100 gewesen wäre?“ Nein.

„Hätten Sie das Angebot angenommen, wenn die zu kaufende Mindestanzahl an Kapseln 50 gewesen wäre?“ Nein!

„Hätten Sie das Angebot eher angenommen, wenn die Bedingungen wie folgt gewesen wären? Beim Kauf von 250 Kapseln, die Sie aus den 16 Nespresso Grands Crus frei wählen können, erhalten Sie den Plexiglasbehälter im Wert von 25 € gratis.“ 250 Kapseln, hallo?! Ich habe keinen Gastronomiebetrieb, sondern einen ganz stinknormalen Haushalt.

„Hätten Sie das Angebot eher angenommen, wenn die Bedingungen wie folgt gewesen wären? Beim Kauf eines Sets mit 15 Stangen (150 Kapseln), das Ihnen das Ausprobieren von 15 der 16 Grands Crus von Nespresso ermöglicht, erhalten Sie einen 50% Rabatt (zum Preis von 16 € statt 32 €) auf den Verkaufspreis einer Holzbox mit Ebenholz-Lackierung. “ Ich will aber doch gar nicht, ehrlich nicht!!!!

Ab dieser Stelle hat mein Gehirn sich ürigens standhaft geweigert, sich weiter ernsthaft mit dem Thema auseinander zu setzen. Ok, das könnte auch am einsetzenden Lachanfall gelegen haben…

24 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    11. Dezember 2009 21:01

    Die Frage, die sich stellt, ist: Was für Menschen stellen solche Umfragen zusammen? Entweder sind das vollkommen gelangweilte Büromenschen, die so was im Halbschlaf erledigen, oder sadistische Quälgeister. Worauf würdest du tippen?😉

  2. 11. Dezember 2009 19:05

    Hahahaha!

    Ehrlich gesagt habe ich es bis jetzt nicht verstanden, dafür sehe ich aber auch aus wie George, wa.
    😉

  3. 11. Dezember 2009 18:18

    „Hätten Sie das Angebot eher angenommen, wenn die Bedingungen wie folgt gewesen wären? Beim Kauf eines Sets mit 15 Stangen (150 Kapseln), das Ihnen das Ausprobieren von 15 der 16 Grands Crus von Nespresso ermöglicht, erhalten Sie einen Gratiskaffee mit George Clooney?“

    Klares JA!

  4. 11. Dezember 2009 13:01

    Die Marketingkampagnen mancher Unternehmen grenzen in meinen Augen in keinster Weise an Dreistigkeit. Denn von der Grenze zur Dreistigkeit haben sich diese Kampagnen dann schon so weit entfernt, dass man sie nicht mehr sehen kann. Man denkt, dass man dem Verbraucher jeden Müll andrehen kann, den sich der Einkäufer auf einer Verkaufsveranstaltung bei 5,5 Promille hat aufschwatzen lassen.

  5. 11. Dezember 2009 10:15

    Freiwillig Online-Fragebögen ausfüllen zu wollen muss wohl am Kaffee liegen.😉

    So lange fragen, bis die/der Geschundene reflexartig alles entnervt abnickt und ferngesteuert den Kaufen Button anschreit, nur um endlich entlassen zu werden. Oder war da kein „klicken Sie hier um zum Angebot zu gelangen“?

    Die Methode der Gesprächsverwicklung von Frau Wortteufel funktioniert übrigens auch hier sehr gut.

  6. 11. Dezember 2009 08:39

    Ganz prima! Wie bekomme ich etwas los , was der Kunde nicht will, indem ich die Begriffe „%“, „Rabatt“, „anstatt“ und „gratis“ benutze. Irgendwann muss das doch gehen…

    Aber schön, dass ihr so harmonisch zusammenlebt. Da muss immer Raum für ein offenes Gespräch sein.

  7. 11. Dezember 2009 08:16

    Habt Ihr noch nie die schwülstige, ultra-blumige Sprache bemerkt, in der Nespresso die verschiedenen Kaffeesorten beschreibt und anpreist? Liest sich wie eine Mischung aus den Federn eines hyper-koffeinierten Paolo Coelho und eines komplett zugekoksten Thomas Mann. Dagegen ist Deodorant- oder Intimrasierer-Werbung in beinahe hemingwayscher Schlichtheit und lakonischer Strenge verfaßt: „Wecke die Göttin in Dir!“

    • 11. Dezember 2009 19:20

      Werner,

      trefflich beschrieben! Das hätte ich noch zusätzlich einbauen sollen, aber es ist ja, wie geschrieben, harmonische Adventszeit angesagt. Eigentlich wollte ich hier nun ein entsprechendes Zitat posten, aber der Text lässt sich nicht kopieren, und zum Abtippen bin ich schlichtweg zu faul😉

  8. frau kuni permalink
    11. Dezember 2009 08:12

    das ist NICHT WAHR, oder ? *JAUL*

  9. 11. Dezember 2009 07:51

    Vielleicht haben die eine geheime, 17. Sorte.

    Es gab in den 90iger Jahren mal eine Umfrage der Tabakindustrie, die auch etwa 45 Minuten dauerte. Wir mussten den Menschen am Telefon sagen, dass es sich nur um 10 Minuten handelt. Es waren erstaunlich wenige dabei, die das Interwiev nicht bis zun Schluss erduldet haben.

    Herr Blinkfeuer, den Grappa nehme ich mit ins Büro.

    • 11. Dezember 2009 08:27

      Ich bin zu schlecht für diese Welt.
      Wenn ich so jemanden am Apparat habe, dann bring ich die immer zur Weißglut mit Gegenfragen im Sinne von „Wie sehen Sie das denn?“ oder „Sind Sie anderer Meinung?“ oder „Würden Sie mir das mal erläutern? Ich sehe da keinen kausalen Zusammenhang.“

      Die legen dann meist schnell und kommentarlos auf.

      (17. Sorte. Muss wohl. Da hat dann der Cluunieschorsch reingepisst.)

      • 11. Dezember 2009 19:18

        phaenomenin, am boden liegend und sich den Bauch haltend.

        danke an frau M² allein für das zusammenkopieren dieser kniefiesligen Fragen, und danke an Frau WT für den Schorsch.
        löl

      • 11. Dezember 2009 19:22

        Die 17. Sorte solltest du vorschlagen, definitiv. Und bitte poste dann unbedingt die Antwortmail🙂

  10. 11. Dezember 2009 07:35

    Trinken die alle diese Kapseln so leer, die sich so einen Fragemist ausdenken?

  11. 11. Dezember 2009 00:40

    Ich habe mal nach einem Spanien-Urlaub eine geschlagene Dreiviertelstunde mit so einer Umfragetante wegen meines Mietwagens telefoniert. Die fragte danach, wie gut ich den Weg auf dem Parkplatz gefunden hatte, wie mir das Auto gefallen hat, das Gebäude, die Mitarbeiter, die Versicherung, das Radio, der Schalthebel, und ob das Wasser irgendwie anders geschmeckt hat, wenn ich es während der Fahrt getrunken habe. Ich fand es ganz lustig, und die Dame war sehr nett, aber welcher Blindgänger denkt sich solche Fragebögen aus?

  12. 11. Dezember 2009 00:31

    Bo-ey, so viel Kaffee ohne einen http://tinyurl.com/yaloolt sah ich selten; schmeckt denn das?

  13. 10. Dezember 2009 22:33

    „Hätten Sie das Angebot eher angenommen, wenn die Bedingungen wie folgt gewesen wären? Beim Kauf eines Sets mit 1500 Kapseln in sämtlichen Grands Crus-Geschmacksrichtungen, kombiniert mit zwei Packungen Hundefutter für Riesenschnauzer sowie einen Rabatt von 10 Prozent auf Ihren überübernächsten Einkauf im Nespresso Shop außer auf Tiernahrung und Baumarktartikel und nur in Kombination mit Abnahme einer plexiglasigen Aufbewahrungsbox für geriffelte Kondome, die im Dunkeln leuchten… usw.“
    Ich bin stolz auf Deine Standhaftigkeit, da könnte nicht jeder nein sagen!

  14. Special Agent Gibbs permalink
    10. Dezember 2009 22:06

    Und da sage noch einer, Frauen kaufen einfach ohne nachzudenken…😉

  15. schrecklichschoenesleben permalink
    10. Dezember 2009 21:43

    Mensch, Du bist aber auch sperrig.

    *magich*

  16. 10. Dezember 2009 21:30

    gott…hast du eine geduld!!!!😎

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  1. Sechs. «

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