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Internetfasten – Tag 3 und 4

21. März 2014

Tag 3

Laut Küchenkalender hat P. heute Geburtstag. Wir waren mal sowas wie befreundet oder zumindest auf dem Weg dorthin, his dass sich die Angelegenheit irgendwie zerfaserte. Ich hatte durch den beruflichen Wiedereinstieg plötzlich nur noch wenig Zeit, P. umgab sich mit Menschen, die mir persönlich nicht so liegen. Wie das halt manchmal so ist. Normalerweise würde ich ihr einfach eine Nachricht schicken, garniert mit ein paar Smileys, aber das geht ja nun nicht. Also greife ich zum Telefonhörer, aber sie ist nicht zu Hause, und es nervt mich, dass ich es später erneut versuchen muss. Zwei Stunden später habe ich eine Karte geschrieben und ein Blümchen gekauft, um es P. vor die Tür zu stellen, sozusagen eine physisch gewordene Textnachricht. Genau in diesem Moment kommt sie nach Hause, wir reden kurz und nett und ich frage mich später, warum ich mich manchmal so furchtbar kompliziert anstelle.

Nachdem D. für mich meinen Blogtext publiziert hat, erreichen mich über Umwege zwei, drei Grüße, ansonsten bekomme ich von einer möglichen Resonanz nichts mit, und D. erzählt mir auch nichts. Das nervt mich kolossal und noch mehr nervt es mich, dass mich das so nervt. Ich finde mich also wieder mal ziemlich albern und mache mit dem Hund einen langen Spaziergang, auf dem ich einen weiteren Geburtstagsanruf erledige.

Als ich später noch zum Dönerladen fahre, sehe ich dort ein Paar stehen, das offenbar auf seine Bestellung wartet. Beide sprechen kein Wort miteinander und sind voll und ganz mit ihrem jeweiligen Smartphone beschäftigt. Für einen Sekundenbruchteil fühle ich mich unendlich überlegen, einen weiteren Sekundenbruchteil später schäme ich mich dafür. Denn ich stehe nur hier, weil ich die Liefer-App auf dem iPhone nicht benutzen konnte, um beim Chinesen zu bestellen. Als die beiden bezahlen, lächele ich sie zum Ausgleich ganz besonders freundlich an. Vermutlich fanden sie mich etwas seltsam.

Tag 4

Ich war heute kurz in der Buchhandlung. Und was soll ich sagen, ich hatte den Zettel mit dem halben Buchtitel nicht dabei. Der Name der Autorin war mir ebenfalls entfallen, und so verlasse ich unverrichteter Dinge das Geschäft und kaufe für den Hund ein paar Kauknochen, die ich online deutlich günstiger hätte bestellen können. Dieses Internet ist einfach ungeheuer praktisch, vor allem dann, wenn man so dezentral wohnt wie wir. Ich sollte vielleicht nach den vier Wochen mal ausrechnen, wie viel Zeit und Geld mich dieses Experiment gekostet hat.

Zuhause erwartet mich eine Postkarte von Frau P. Liebe Frau P, falls du das liest: Küsse an den Babykerl. Leider kann ich dir nicht antworten, weil kein Absender auf der Karte stand.

Die Nachrichten und ich (das wird ein Dauerbrenner) sind einander noch nicht wirklich näher gekommen. Ich kann und will nicht zu vorgegebenen Uhrzeiten Nachrichten sehen oder hören. Und ich möchte mir aussuchen, von wem ich mir zeitgleich das Weltgeschehen erklären lasse und wie die Resonanz darauf ist. So bleibt es reine Glückssache, ob und was ich mitbekomme. Am Wochenende will ich erst mal nachlesen – falls ich dafür Zeit und Ruhe finde.

Seitdem die Online-Kommunikationskanäle weggefallen sind, ist es ruhig geworden. Ich weiß nicht, was meine Lieben aktuell alle so treiben und mir fehlt das Geplänkel zwischendurch. Besonders arg finde ich, dass ich tagsüber nicht mit D. kommunizieren kann. Telefonieren geht nur in Ausnahmefällen, so dass wir immer Threema und Mails genutzt haben. Nun sammele ich in meinem Kopf den ganzen Tag über, was ich ihm abends alles erzählen will und vergesse davon dann wieder drei Viertel. Ich kann ihm nicht mal eben einen Schnappschuss der Kinder mailen. Und auch so profane Dinge wie Sprudelwasser werden plötzlich zum Thema. Wo vorher eine kurze Nachricht gereicht hätte, dass wir kein Wasser mehr haben, kann ich nun zwischen “Hoffentlich kommt er nicht so spät nach Hause.”, “Ich fahre mit zwei Kleinkindern Wasser kaufen.” und “Wie lange hat die Tankstelle am Kreisverkehr eigentlich abends auf?” wählen.

Gestern Abend haben wir mal wieder über das Thema Autokauf gesprochen und festgestellt, dass wir da nun langsam aktiv werden müssen. Wäre dieses Experiment nicht zeitlich befristet, müssten wir mühsam alle Händler in der Umgebung abfahren, könnten nicht online Vor- und Nachteile einzelner Modelle und Baujahre recherchieren und würden vermutlich nicht nur unendlich viel Zeit, sondern auch Geld versenken. Also vertagen wir das Thema auf Ende April.

Internetfasten – Tag 1 und 2

19. März 2014

Bevor sich jemand amüsiert, dass ich bereits rückfällig geworden bin: ich bin es nicht. Ich habe nach langer Diskussion mit D. lediglich beschlossen, mein Tagebuch, das ich für die Zeit bis zum 20. April führen werde, von ihm online stellen zu lassen. Zum einen staut sich dann nicht so ein Textwust an, den dann später ohnehin keiner liest. Zum anderen finde ich es authentischer, die Entwicklung fast zeitecht zu dokumentieren. D. wird also meine offline verfassten Texte für mich publizieren und wenn ihr Glück habt, guckt er auch nach freizuschaltenden Kommentaren. (Und für alle, die kein WordPress nutzen und das daher evt. nicht wissen: der Tweet in meinem Account, dass ich etwas gebloggt habe, ist eine automatische Voreinstellung.) Wer alles zum Thema nachlesen will, kann als Suchbegriff hier im Blog einfach “Internetfasten” eingeben.

Tag 1

Vor ein paar Stunden habe ich angekündigt, dass ich bis einschließlich 20. April offline gehe. Die Resonanz ist beachtlich, teilweise aber auch befremdlich. Ich fühle mich wahlweise wie ein Forscher, der alleine zu einer Nordpolexpedition aufbricht; wie ein Todkranker, der Zuspruch braucht; wie ein Mensch, der gerade seinen 200. Geburtstag feiert oder jemand, der kurz vor dem Nobelpreis steht. Einige Online-Menschen fragen mich noch schnell nach meiner Adresse und/oder Telefonnummer. Ich bin gespannt, wer sich tatsächlich melden wird.

Ich habe vorhin im Dorfsupermarkt den Flyer vom neuen Friseur mitgenommen, damit ich die Telefonnummer habe. Das letzte Telefonbuch habe ich vor etwa 10 Jahren besessen und schon damals nicht benutzt.

Mittlerweile ist es 22:00 Uhr und ich bin offline. Um 19:56h habe ich noch schnell bei Amazon eine Buchbestellung getätigt und im Turbomodus ein letztes Mal Mails, Foren und alle Social Media-Accounts gecheckt. Die Tagesschau um 20:00 Uhr habe ich verpasst und dann festgestellt, dass das heute journal um 21:45h und nicht um 21:00 Uhr kommt. Ich brauche eine Fernsehzeitschrift.

Tag 2

Was für eine Schnapsidee! Heute morgen um sechs saß ich beim ersten Kaffee in der Küche und habe mich gefragt, warum ich sowas Bescheuertes tue. Und warum ich, wenn ich das schon tue, es auch noch so groß verkünden muss. Ohne Nachrichten, da kann ich direkt von der Gaszentralheizung auf ein schönes Lagerfeuer mitten im Wohnzimmer umsteigen.

Die 07 Uhr-Nachrichten im Radio werden von den Kindern vollständig übertönt. Ich versuche es um 08:00 Uhr noch einmal. Überhaupt, in diesem Haushalt befinden sich viel zu wenig Uhren, irgendwie weiß ich nie, wie spät es ist. Meine Armbanduhr habe ich verlegt und finde mich heute insgesamt sehr, sehr blöd.

Auf dem Weg ins Büro höre ich Radio, so gut man mit einer abgeknickten Autoantenne Radio hören kann. Irgendein sehr knackender und rauschender Sender überträgt eine Frauenstimme, die aus einem Buch vorliest. Ich höre ihr 20 Minuten lang verzückt zu und hoffe inständig, dass irgendwer am Ende sagen wird, was da von wem vorgelesen wurde. Ich habe Glück und notiere mir auf dem Büroparkplatz angekommen sofort den Namen der Autorin und den Teil des Buchtitels, den ich verstehen konnte. Normalerweise häte ich das schnell gegoogelt und dann das Buch online bestellt. Stattdessen werde ich in den nächsten Tagen ins Städtchen fahren und dort die Buchhandlung am Marktplatz aufsuchen.

Im Büro weiß niemand von meiner Internetfasterei. Beruflich kann ich nicht auf Mails und Internet verzichten, finde das aber auch nicht relevant für mein Experiment, weil ich mich ausschließlich mit Dingen beschäftige, die nichts mit mir persönlich zu tun haben und die über weite Strecken nicht gerade faszinierend sind. Nur mein Chef weiß Bescheid und fragt freundlich, ob ich schon ein Telex installiert habe. Witzig!

Habe mir heute bereits zahlreiche Threema-Nachrichten an D. verkniffen und werde ihn vermutlich zu Boden reden, sobald er nach Hause kommt. Nachrichtentechnisch bin ich schon jetzt vollkommen raus. Vielleicht hat Putin sich mittlerweile dazu entschieden, in Polen einzumarschieren oder Obama hat den Kreml bombardiert, keine Ahnung. Irgendwer wird mich schon anrufen, falls es wirklich wichtig ist. Für Kinderlose: Menschen mit kleinen Kindern können nicht mal eben so Nachrichten im Radio höen, zwei Dreijährige übertönen notfalls auch einen Düsenjäger. Und der Fernseher wird in Anwesenheit der Kinder nur für die Sendung mit der Maus benutzt.

Ich will’s nur mal wissen

18. März 2014

Ich stamme ja aus einer Generation, die noch gänzlich ohne Internet groß geworden ist. Meine Eltern weigerten sich sogar standhaft, einen Kabelanschluss oder eine Satellitenschüssel in Erwägung zu ziehen, so dass Pausenhof und Telefon unerlässliche Kommunikationswege für mich waren. MTV gab es damals bei einem einzigen Klassenkameraden, der auf der Beliebtheitsskala daraufhin kometenhaft nach oben schoss.

Mittlerweile bin ich von zu Hause ausgezogen und seit vielen Jahren im Internet daheim. Ende der 90iger Jahre verschuldete ich mich noch mit astronomisch hohen Telefonrechnungen, bevor endlich die ersten Flatrates auf den Markt kamen. Damals habe ich fleißig gechattet, ebay machte noch richtig Spaß, Amazon begann damit, sich mehr und mehr auszubreiten und ich tummelte mich in diversen Foren.

15 Jahre später habe ich einen Twitter-Account, ein Blog, bin bei Facebook, Instagram, in diversen Foren, kaufe sehr viele Dinge online, lese Nachrichten fast ausschließlich am PC oder auf dem Smartphone und maile vor mich hin. Threema spült mir regelmäßig Nachrichten und Fotos meiner Freunde auf das Smartphone und manchmal ruft mich sogar mal jemand auf meiner Mobilfunknummer an. Das Festnetztelefon existiert eigentlich nur für zwei Familienmitglieder und wird ansonsten fast nie benutzt.

Wenn es morgens noch ruhig im Haus ist, trinke ich eine Tasse Kaffee und mache meine erste virtuelle Runde durch mein selbst zusammengestelltes Viertel. Wenn auf der Welt etwas unheimlich Wichtiges geschieht, bekomme ich eine Popup-Meldung. Wenn wichtige Menschen mir eine Mail senden, ertönt ein bestimmtes Signal. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, lese ich meine Timeline nach oder gucke mir Youtube-Videos an, ich lese Nachrichten, gucke eine Reportage, vielleicht chatte ich auch mit einer anderen armen Seele, die ebenfalls nicht schlafen kann.

Und nun will ich mal wissen, wie es ohne ist. Das ist nicht besonders originell, weil das schon viele andere Menschen vor mir getan haben, es gibt dazu auch schon schlaue Texte und Bücher, aber das ist mir egal. Ich will selber und am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn ich mich zurück in die angebliche kommunikative Steinzeit begebe. Ich will wissen, ob ich darbe und vielleicht sogar schummele. Besondere Erwartungen an das Experiment habe ich keine. Vielleicht wird es ganz entspannt und erholsam, vielleicht finde ich es aber auch total bescheuert.

Ich klinke mich also für einen befristeten Zeitraum mal komplett aus. Ab heute, Punkt 20:00 Uhr gehe ich bis einschließlich 20. April 2014 offline. Ich werde keine Mails lesen, keine PNs, DMs, Chatnachrichten, Timelines, Chroniken, Nachrichten, Fotos, Forumsbeiträge. Nichts. Ich werde die mir wichtigen Menschen informieren, dass ich in diesem Zeitraum nur telefonisch, persönlich oder postalisch zu erreichen bin.

Wir lesen uns dann ab dem 21. April 2014 wieder.

Schwachköpfe

16. März 2014

Dieser Text gärt schon seit Wochen in mir, und es könnte sein, dass das der Sachlichkeit nicht gerade dienlich sein wird. Auch will mir dieses Mal so gar keine passende Anrede einfallen, um in launiger Briefform ein paar deutliche Worte zu verlieren. Es geht um Schwachköpfe. Um besonders schwachbegabte Schwachköpfe, um genau zu sein. Noch konkreter: es geht um besonders schwachbegabte Schwachköpfe, die am Steuer ihres Fahrzeuges sitzen und während der Fahrt ihr Mobiltelefon benutzen. Ihr seid gemeingefährliche Irre!

Wenn ihr in Schlangenlinien auf der Autobahn unterwegs seid, um auf eurem Mobiltelefon herumzutippen, möchte ich euch furchtbar gerne von der Fahrbahn rammen, an den Ohren aus dem Auto zerren und euch kopfüber in den nächsten Graben tunken. Vorher wüsste ich aber noch gerne, was es da so Wichtiges zu tippen gab. War es ein “Bitte bring Milch mit” oder eher ein “Ich bin noch unterwegs”? Vielleicht hat die Freundin auch gerade ein nettes Foto geschickt? Oder ihr musstet nur mal schnell Facebook oder eure Timeline bei Twitter checken?

Wenn ihr vor mir mit Tempo 20 telefonierend über die Straße schleicht, möchte ich euch gerne etwas vor die Motorhaube werfen, um zu testen, ob ihr überhaupt noch etwas von dem wahrnehmt, was um euch herum passiert. Natürlich habt ihr nur eine Hand am Steuer und bestimmt seid ihr felsenfest davon überzeugt, dass ihr alles bestens im Griff habt. Einen Scheiß habt ihr! Hinter euch staut sich zunehmend der Verkehr, und man kann nur hoffen, dass vor euch nicht plötzlich ein Kind oder ein Hund auf die Straße rennen.

Ihr seid verantwortungslose Idioten, denen man allesamt das Telefon in den Arsch und den Kopf in die nächste Mülltonne stecken sollte. Dass euch nichts passiert, ist eine Kombination aus Glück und Umsichtigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer. Und ich will gar nicht wissen, wie hoch die Dunkelziffer der Unfälle ist, die durch die Benutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt verursacht werden.

Sucht euch doch bitte irgendwo einen abgelegenen Betonpfeiler, gegen den ihr dann fahren könnt. Gerne auch mehrfach. Und bevor euch dann die Lichter ausgehen, zieht vor eurem inneren Auge hoffentlich jede sinnlose SMS und jeder schwachmatische Facebook-Post vorbei, den ihr unbedingt während der Fahrt lesen musstet.

Sollte ich jemals in der Nähe sein, wenn einer von euch in einen Unfall verwickelt ist, verspreche ich euch, dass ich euch windelweich schlage.

Ihr seid total bescheuerte Arschlöcher!

Heimat

16. Januar 2014

Was ist eigentlich Heimat? Und ist es für alle das Gleiche?

Vor längerer Zeit bin ich in ein anderes Bundesland gezogen, von einer großen Stadt in ein kleines Dorf. Es war nicht mein erster Umzug, genau genommen war es der 30., aber es war ein Umzug, mit dem ich mich schwer getan und mit dem ich lange gehadert habe. Wie es aber nun häufig so ist: es nutzt ja alles nichts und so relativierte sich das alles im Laufe der Zeit mehr und mehr, so dass ich mich hier mittlerweile wohl und Zuhause fühle.

Als ich nun kürzlich aus unerfreulichen Gründen für etwa eine Woche zurück in die alte Heimat musste, genügte der erste Satz im so gut vertrauten Dialekt und schon war es so, als ob ich nie fortgegangen wäre. Dabei befand ich mich noch gute 100 Kilometer von meinem ehemaligen Zuhause entfernt. Wie Trophäen sammelte mein Innenleben sorgfältig alles wieder ein, was ich längst vergessen geglaubt hatte: die alten Radiosender mit den alten Moderatoren, prägnante Punkte in der Landschaft, Autobahnschilder, an denen ich unzählige Male vorbeigefahren bin. Das Gehirn kennt jedes Kennzeichen, egal ob alt oder neu. Die Nase behauptet, dass es nur hier so riecht wie es riecht und nirgendwo sonst auf der Welt. Die Augen sagen, das Licht ist hier ganz anders als dort, wo ich gerade her komme.

Die Menschen schauen auf die Unterlagen, die ich dabei habe, sehen mich an und sagen “Sie sind aber doch von hier, oder?!”, “Das habe ich sofort gemerkt.” und das Ego plustert sich fröhlich auf seiner Sitzstange auf und gurrt mir leise ein ziemlich verliebtes “Hach, sie haben es gemerkt!” ins Ohr.

Ich könnte nun noch ein Stückchen weiterfahren, durch altbekannte Viertel, vorbei an der alten Wohnung und am ehemaligen Büro. Aber ich tue es nicht, denn ich weiß noch vom letzten Mal, dass diese Dinge in mir lediglich ein Gefühl der Fremdheit auslösen. Zuletzt stand ich im Dezember in unserer alten Straße und fühlte mich wie ein Schüler, der vor einem bedeutenden Kunstwerk steht und auf Kommando Ehrfurcht empfinden soll. Der ehemalige Lieblingssupermarkt war einfach nur voll und laut und schmutzig. Das Büro wirkte viel weniger strahlend als in meinen Erinnerungen.

Was also ist Heimat?

Ist Heimat da, wo die Lieblingsmenschen sind? Oder da, wo man aufgewachsen ist? Ich glaube, Heimat ist kein Ort. Heimat ist ein Gefühl, mal stärker und mal schwächer, im steten Wandel und immer ein Stück unberechenbar. Heimat ist da, wo ich mich wohl fühle. Und deshalb ist Heimat vermutlich immer mal woanders.

Die Zentrale der inneren Heimat ist aber tatsächlich mein Zuhause. Wenn ich die Tür aufschließe und nach längerer Abwesenheit den Eigengeruch unserer Wohnung rieche, über diverse Spielzeuge und den Hund stolpere, wenn ich die Menschen sehe, küsse und umarme, die mir alles bedeuten und für die ich alles tun würde – dann weiß ich, dass ich meine ganz persönliche Heimat eigentlich jederzeit in meiner Hosentasche als Schlüssel mit mir herumtrage.

Zum Jahreswechsel

31. Dezember 2013

Spruch in der Silvesternacht

Man soll das Jahr nicht mit Programmen
beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert,
bricht es zu guter Letzt zusammen.

Je üppiger die Pläne blühen,
um so verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor, sich zu bemühen,
und schließlich hat man den Salat!

Es nützt nicht viel, sich rotzuschämen.
Es nützt nichts, und es schadet bloß,
sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!

(Erich Kästner)

GENau du – weiter geht’s!

1. November 2013

Bald ist Weihnachten und ich finde ja immer, man kann gar nicht früh genug damit beginnen, besinnlich zu werden, die innere Kerze anzuzünden, über sein Leben nachzudenken und wahlweise Besserung zu geloben oder sich schon mal ein paar schicke neue Vorsätze für das kommende Jahr auszudenken. Da bin ich natürlich gerne behilflich.

Schon im Februar hatte ich die diesjährige Mitmachaktion in meinem Blog gestartet. Es geht in diesem Jahr darum, etwas Sinnvolles zu tun, das auch noch ziemlich unaufwändig ist und unter Umständen ein Menschenleben retten kann: es geht um eine Registrierung bei der DKMS.

Von Natur aus mit einer gewissen Grundfaulheit ausgestattet, verweise ich wegen der Details der Einfachheit halber auf meinen ersten Blogbeitrag zum Thema, in dem alle Wesentliche erklärt wird.

Für die ganz Ungeduldigen, die eh schon wissen, worum es geht und die eigentlich nur noch nicht die Zeit hatten, geht es HIER zur Registrierung. Bitte nutzt nur diesen Link, da eure Registrierung sonst nicht meiner Blog-Aktion zugeordnet werden kann.

Auch wenn dieser Text launig geschrieben ist: seid keine Frösche und beschäftigt euch bitte ernsthaft mit dem Thema. Es ist eine wichtige Sache, für den Spendenden im Normalfall mit sehr wenig Aufwand und Risiko verbunden – und es kann für irgendwen auf diesem Planeten lebensrettend sein.

Registriert euch, teilt diese Aktion bitte auf eurem Blog, auf Twitter, auf Facebook oder ganz altmodisch auch offline. Ich fände es unglaublich toll, wenn ich hier bis Jahresende eine dreistellige Spenderzahl verkünden könnte.

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