Wieso ich eine Memme bin
Ich halte mich ja prinzipiell für einen vernunftbegabten Menschen. Ich weiß meistens, was ich tue, warum ich das tue und welche Konsequenzen mein Tun hat. Ich weiß, wann gewisse Verhaltensweisen peinlich, unvernünftig oder unangemessen sind und versuche, ebendiese Verhaltensweisen zu vermeiden.
Aber es gibt eine Sorte Lebewesen, die mich in Sekundenbruchteilen zu einem nervlichen Wrack am Rande der Zurechnungsfähigkeit mutieren lassen: Spinnen!
Ich finde Käfer spannend, Silberfische putzig, Ratten sind lediglich unappetitlich, Maden, Motten und Fliegen beeindrucken mich nicht, Wespen und Bienen stören mich nur, weil ich auf ihre Stiche allergisch reagiere. Sogar Kellerasseln und Tausendfüßlern kann ich höfliches Interesse entgegenbringen. Aber sobald ich eine Spinne sehe, gerät in mir etwas entsetzlich durcheinander und ich benehme mich hoffnungslos peinlich.
Angeblich soll es ja helfen, wenn man über Dinge spricht. Daran glaube ich zwar nicht, aber falls Ihnen im Zusammenhang mit Spinnen zukünftig eine (hoffentlich gut aussehende) hysterische Frau um den Hals fällt, erinnern Sie sich eventuell an mich und meinen Versuch, Ihnen zu erklären, wie schrecklich die an Ihrem Hals hängende Frau sich vermutlich gerade fühlt.
Vor vielen Jahren arbeitete ich in einem Großraumbüro und musste ein schwieriges Kundentelefonat führen. Ich war noch ganz neu in der Firma und die Kollegen wollten mal ausprobieren, wie ich reagiere, wenn man mir während so eines Telefonates eine Plastikspinne von hinten auf den Schreibtisch wirft. Ich schrie in den Hörer, riss das Telefon vom Tisch, sprang vom Stuhl, über den ich beim Rausrennen auch noch stolperte und habe mich jahrelang ganz entsetzlich geschämt.
Sobald ich weiß, dass sich mit mir eine Spinne im gleichen Raum befindet, weigere ich mich, diesen Raum erneut zu betreten, bevor die Spinne nicht zuverlässig eliminiert worden ist. Das hat mir schon ganze Urlaube in Ferienhäusern auf sogenannten Naturgrundstücken verdorben. Ich habe zwei Wochen lang nicht anständig schlafen können, weil ich Angst davor hatte, dass sich nachts eine Spinne unter meine Bettdecke verirrt.
Ich kann nicht im Dunkeln aus Gläsern oder bereits geöffneten Flaschen trinken. Ich hasse Fingerhandschuhe, Schuhschränke und alte Kartons. Fremde Keller betrete ich nur, wenn sie gut belichtet sind und vor mir jemand geht, der größer ist als ich.
Ich kann mir zwar auf Youtube den Drohtanz der Bananenspinne ansehen, würde aber vermutlich in einem brennenden Haus zu Tode kommen, wenn auf der einzigen zugänglichen Türschwelle eine Spinne säße.
Ich erinnere mich an Horrorgeschichten von Spinnen, die unter der Haut leben. Und wie war das noch gleich mit dem Paar, das Nacht für Nacht von Spinnen angegriffen wurde, die sich hintertückisch eine Bleibe auf der Bettrückseite (natürlich am Kopfende!) eingerichtet hatten? Ganz zu schweigen von Spinnen, die in Abflüssen lauern, nachts in Ohren kriechen und an den unmöglichsten Stellen ihren Nachwuchs deponieren können.
Spinnen sind viel, viel, viel kleiner als ich. Ich passe nicht in ihr Beuteschema. Vermutlich haben die Spinnen mehr Angst vor mir als ich vor ihnen. Spinnen sind nützlich. Schau dir mal diese tollen Netze an! Und sie halten uns unliebsames anderes Getier vom Hals. Spinnen sind also eigentlich total in Ordnung, quasi der nette Kumpel von nebenan, mit dem man freitags achtarmig am Tresen sitzt und entspannt beim Bierchen die Woche Revue passieren lässt.
Und jetzt stell’ dich nicht so an! Das ist albern. Sonst mach’ halt mal so eine Konfrontationstherapie, die helfen immer.
Glauben Sie mir, die Frau, die da immer noch an ihrem Hals hängt, hat Schüttelfrost, ihr ist furchtbar schlecht, vielleicht zittert sie auch und hat kalte Hände und schwitzt wie irre. Sie fühlt sich auf jeden Fall sehr klein, sehr elend und verdammt dämlich.
Und nun tun Sie ihr einfach den Gefallen und hauen das fiese Viech endlich kaputt!

Den Gefallen kann ich Dir leider nicht tun, ich würde gleich daneben hängen. Das letzte Beispiel zum Thema zum Glück schon länger her. http://www.soulsilence.de/blog/?p=2307 (Es ist nicht mal der “klassische” Ekel. Es ist diese für das menschliche Auge nicht nachvollziehbare Art der Fortbewegung. Wenn so ein Vieh an der Wand sitzt, hab ich einfach nur Angst, dass sie mit ihren acht Beinen in der nächsten Sekunde irgendwo auf mich drauf geflitzt ist. Dieses schnelle, viel zu schnelle Krabbeln. Macht mir bei Asseln und Tausendfüßlern komischerweise aber auch nichts aus. Nur bei Spinnen.)
Wenn derartig irrationale Fürchte nicht so traurig wären, würde ich einfach einen blöden Spruch rausschleudern. Dies ist aber wenig hilfreich. Bei einer derart massiven Störung ist professionelle psychologische Hilfe angeraten, zumal zu befürchten steht, die Vermeidungs-Strategien versagen können. Dabei geht es nicht darum die Angstauslöser lieben zu lernen, sondern sie tolerieren zu können, um die Phobie am Ende nicht entgleisen zu lassen.
Dieses blog zeigt zumindest die Erkenntnis des hilflosen Ausgeliefertseins gegenüber der Phobie, dieses sollte aber geändert werden und dies ist auch möglich.
Die Ratio und die Erkenntnis alleine können dies ohne externe Hilfe nicht erreichen.
In diesem Sinne.
Kaputthauen? Ich nehm die und setz sie an die frischen Luft. Sollte doch reichen?
Toll geschrieben! Trotzdem sollte man die nicht ‘kaputthauen’ sondern lebend aus der ‘Gefahrenzone’ bringen…
Schicksalssucher.blogspot.com
Du arme..aber Gewalt ist keine Lösung
Wenn man sich mit einem leistungsstarken Staubsauger bewaffnet, sind Spinnen absolut harmlos. Flutsch – und weg.
Ach, wie gut ich DAS verstehen kann. Ich würde aber nicht helfen können, sondern neben Dir hängen.
Ich habe permanent genickt und fühle mich sehr verstanden!!
Tröste dich damit, dass sie die Mücken fangen…?
Ich habe mich früher immer damit getröstet: “Eines Tages heirate ich, und dann fängt mir mein Mann die Spinnen weg.”
Dann habe ich einen schwerbehinderten Mann geheiratet und zu meiner Verblüffung festgestellt, dass man über sich hinauswachsen und sogar Spinnen selber fangen kann
Mich stören Spinnen nicht. Mein Tierarzt sagt, in einem Haus mit vielen Spinnen ist ein gutes Raumklima.
Ich schaue ihnen gerne zu, bewundere die schönen Spinnennetze. Manchmal zupfe ich daran und locke die Spinne aus dem Versteck.
Wenn mich doch mal eine Spinne stören sollte, z.B. wenn sie über die Bettdecke krabbelt, ich im Bett liege und gerade was lese, dann nehme ich sie in die Hand und trage sie woanders hin. Da hat mich doch mal so eine große Schwarze in den Finger gebissen. Hat ein paar Wochen gejuckt, wie ein Mückenstich.
Hier gleich 2 Mal und wer leidet? Na los, rate.
Haha, unbekannterweise liebe Grüße!
Ich darf den Mann immer man vor einer Spinne retten, mir mache die komischerweise nichts aus. Wespen versetzen mich deutlich mehr in Panik, das allerdings aus Gründen.
Und dieses ganz Irrationale, das habe ich mit Hunden.
Vor kurzem füllte ein fettes Exemplar unseren Lichtschalter im Flur aus (8×8 cm). Und mit fett meine ich auch fett. Und jetzt kommt das Schlimmste: Es war dunkel!
Stell dir das mal vor… (nee, tust du wahrscheinlich nicht, oder?)
“Der Grieche” hat ja auch diese Erde-Beben, gehte volle auffe die Hauss, ist aber natürlich nicht konkurrenzfähig. Da kenne ich auch kein Mitleid. (Wobei ich vermute, die straightest Greeks , die HOFFEN auf eine Erdbeben, damit es wenigstens mal 2 Wochen keine Häme setzt…. danach ist dann wieder alles normal, wie in Haiti, dem Völkermordparadies für Amis und den Franzosen)… wie komm ich drupp?…jau!… die haben ja auch Spinnen…. solche Oschis. Die Welt bleibt ungerecht.
Im D- Land der üblen Spinner und Weltverbesserer, null Spinnen, keine Erdbeben, echt Mist. Nur PoetInnen, reicht, ach, roacht es nie?
Für diese Phobie hast du mein volles Mitleid aber bitte nicht kaputt hauen!
Eine Spinne im Haus ist suzusagen die Ungeziefer Polizei.
Ich habe mal eine dieser großen Haus- und Winkelspinnen mit einem
Makroobjektiv 1:1 fotografiert. Man kann jedes kleinste Detail erkennen.
Sehr beeindruckend und seit dem habe ich noch mehr Bewunderung für Spinnen.
Ich habe auch Schiss vor Spinnen. Aber irgendwie seitz ich Kinder habe habe ich viele Dinge getan die früher nicht denkbar waren. Ich musste sogar mit auf den 5m Turm im Schwimmbad und sprang!
Aber Spinnen? Zuletzt rettete ich einen Hirschkäfer vor der Haustür. Ein Riesenvieh,
http://mitallem.blogspot.de/2012/05/streetfight.html
aber Spinnen? An guten Tagen kann ich Weberknechte anfassen. Das war es aber auch schon. Aber wenn die Kinder da sind und wir campen , wandern etc..da muss ich dann durch. Es funktioniert, der Große hat keine Spinnenangst..also nicht so sehr.