Alles Kokolores!
Es gibt Worte, für die man manchmal am liebsten Sätze konstruieren möchte, nur um sie verwenden zu können, weil man sie so gerne ausspricht oder schreibt. Da ich keine Sprachwissenschaftlerin und faul bin und meinen Lesern außerdem allesamt die eigenständige Bedienung von Internetsuchmaschinen zutraue, verzichte ich an dieser Stelle auf belehrende Erläuterungen, woher welches Wort wohl stammen könnte.
“Gedöns” ist beispielsweise so ein schönes Wort. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der wahlweise um alles Gedöns gemacht wurde oder in der man das Gedöns wegwarf, ablehnte oder albern fand. Als Aussprache waren “Gedöns” und “Jedöns” zulässig, da war man im Familienverband sehr tolerant. Prinzipiell ist Gedöns nichts Schlimmes, es ist eben nur nicht wichtig genug, um sich ernsthaft damit zu beschäftigen.
Etwas anders sieht es da mit “Kokolores” aus. Mein Großvater, ein wortkarger Mann mit dezidierten Ansichten, gab ablehnende Entscheidungen gerne mit einem “Das ist doch alles nur Kokolores” bekannt, um dann für mehrere Stunden hinter der Werkbank im Keller zu verschwinden, wo er unter keinen Umständen gestört werden durfte. Einmal Kokolores, immer Kokolores, daran gab es nichts mehr zu rütteln. Bei Gedöns hätte man eventuell noch nachverhandeln können.
Von meinem Großvater ist auch überliefert, dass er als Vater von zwei Töchtern mit umfangreichem Sozialleben oft sehr genervt war, dass in seiner Küche fast ständig diverse Freundinnen zu Besuch waren, so dass er nie in Ruhe zu Mittag essen konnte. Und mein Großvater verstand keinen Spaß, wenn es um seine Mahlzeiten ging, aber das ist wieder eine andere Geschichte. So kam es häufiger vor, dass er ohne Umschweife die ganzen “Tittikes” vor die Tür scheuchte, damit sie sich im Garten versammeln. Da war es zwar nicht immer angenehm, weil dort Egon, der streitlustige Ziegenbock, sein Unwesen trieb, aber ich schweife schon wieder ab.
Viele dieser Begriffe sind natürlich regional geprägt. Ich erinnere mich an einen Abend bei Ursus & Nadeschkin, die beim Publikum nach unterschiedlichen Begriffen für das Brotende suchten und über den Begriff “Knäppchen” gar nicht hinweg kamen. Für mich unverständlich, denn wie sollte dieser Teil des Brotes denn sonst heißen? Und wenn wir schon beim Thema sind: in Süddeutschland habe ich einmal versucht, ein Mangbrot zu bestellen und bin kläglich gescheitert.
Wer mir jetzt sagt, dass in diesem Beitrag alles Kokolores ist, fliegt!


Bei mir ist grundsätzlich alles Gedöns, wofür ich grade keinen passenden Überbegriff finde. Gedöns ist ein ganz tolles Wort!
Und Kokolores ist dein Beitrag ganz bestimmt nicht…
Hihi
Schön, solch Familienworte.
Bei uns wurde um Dinge nicht so ein “Bohay” gemacht. War man unartig, ohne böse gewesen zu sein, wurde man liebevoll als “Unnussel” betitelt. Und wer zuviel quasselte, war ein “Krawallschächtele”.
Herrlich,
vor allem, da ich die Begriffe “Gedöns” und “Kokolores” auch in der von Dir beschriebenen Verwendungsweise kennengelernt und für den eigenen Sprachgebrauch adaptiert habe.
Man könnte in dem Zusammenhang auch noch über “Larifari” und “Pillepalle” referieren, würde dann aber ein wenig von der Überschrift abweichen.
ein breit ob der wiedererkannten Worte schmunzelnder aber gleichzeitig mit “Mangbrot” und dessen Bedeutung ziemlich auf dem Schlauch stehender und mit den Schultern zuckender Ausserirdischer
Ein Mangbrot ist einfach ein Mischbrot. Alles Pipifax, ich weiß
An mein Herz. Oder an mein Knäppchen, bei uns eher noch Knäppkes. Münsteraner eben.
Ach, schön.
Knäppchen? Knust!!!!!!!
ps. Natürlich trifft mann sich hier zum schnacken, und feudelt den Boden.
Knust ist der Kanten, ja?
Ich empfehle zu solchen regionalen Worten die Sprachkarten der Uni Augsburg. Da könnte ich immer wieder drin stöbern. Seltsamerweise gibts noch keine zum Apfelbutzen/Apfelkitsche und auch keine zum Knäppchen und Riebele. Aber sonst…
http://bit.ly/iiWvds
Gedöns wird hier auch oft gebraucht. Zum Beispiel ist das Windspiel: Das Gedöns anne Decke.
Alles Liebe Karin
Abgesehen davon, dass das Wort “Gedöns” meiner Erfahrung nach recht häufig mit einer Dativ/Akkusativ-Schwäche einhergeht: Absolut kein Kokolores, wobei man hierzulande kaloriengerecht eher von Quark sprechen würde. Aber das steht auf einem anderen Knust.
Als Schwabe mit rheinischem Migrationshintergrund kenne ich “Gedöns” zur Genüge, aber ich kenne mich auch mit “Kokolores aus, was auch gerne mal als “Gelumps” oder “Gelumpe” titulert wurde. In Kombination mit “olles” war damit dann gar nichts mehr anzufangen. Und das Brot-Ende ist natürlich der Knust… (nb.: Brotende sieht etwas komisch aus und erinnert mich an Blutende, Bratende – fränkisch für Bratente – Lebende, Sterbende, Lachende usw.) Als Kind bezeichnete ich eine böse Nachbarin gerne als “aal täsch”, was wörtlich “alte Tasche” bedeutet, aber hier kann Tasche auch wieder für alles mögliche Gedöns stehen…
Tom aus Villingen-Schwenningen