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Gastbeitrag: Der Wahnsinn einer unerwiderten Liebe

21. März 2011
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Die Gastschreiber in meinem Blog haben sich offenbar auf das Thema Liebe in allen Facetten eingeschossen. Heute zu Gast: @HerrBohm. Wer mehr von Hern Bohm lesen möchte, sollte sein Blog besuchen. Ich bitte, wie gewohnt, um ein herzliches Willkommen, zahlreiche Kommentare und wünsche viel Spaß bei der Lektüre:

Du starrst mich an und fragst mich dreimal: Was soll das? Was soll das? Was soll das? – dabei wäre das die einzige Frage, die ich dir ins Gehirn hämmern müsste, aber ich weiß auch: Es gibt darauf keine Antwort, weil Du nicht weißt, was du tust. Das beste, was mir passiert ist, war der Moment, der mir sagte: Mich interessiert das nicht mehr, ich will es nicht mehr wissen. Du hast mir meine Musik gestohlen, die wunderbarsten Gedichte, meine Worte, vielleicht einen Teil meines Herzens, für eine allumfassende Sinnlosigkeit. Das überlebe ich alles. Zusammen mit geheuchelten Tränen, dem Lachen und deinem ins Korsett der Manipulation gezwungenem Schuldbewusstsein. Diese leergefegten Augen, diese Wüste, kalte Finger an kalter Zigarette und dabei: Kalter Rauch.

“Er ist hier, aber ich musste die ganze Zeit an dich denken: Ich sehne mich nach dir. Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen; Mein Herz graviert deinen Namen in meinen Kopf.”

Der Rauch war schwarz, ihrem Lidschatten entsprechend, auch das Rouge, das sie aufgelegt hat, war von einer purpurnen Tiefe, einer rätselhaften Tiefe. So schien es jedenfalls. Das nennt man Fassade, dachte er, trank seinen Wein, vom selben tiefen Rot, aber anders, weil viel wahrer. Der äußere Betrachter hätte die beiden gesehen und gedacht: Wie traurig.

Als er seine Zigarette anzündet, deren Glut längst viel heißer ist als alles zwischen ihm und ihr, wundert er sich. Was soll es denn bedeuten, was hier passiert, warum spielt er mit, wenn er doch gar nicht spielen will? Diese Seiten aus ihrem Tagebuch verraten noch viel mehr, als sie je zugeben würde. Das er sie gelesen hat: Wer weiß das schon? Es macht ihn wütend, aber auch das wird vergehen, wie alles, und er findet das irgendwie, ohne zu wissen, wie genau.

Schweigen. Dieses Schweigen. Dieses ekelhafte Schweigen.

Es dauert einen Moment, bis er begreift: Ihre Tränen, ihre Trauer: Das alles war nicht echt. Daher war es ihm egal, dass sie seit einer Dreiviertelstunde den Kopf gegen die Wand schlug und ihre Stirn langsam anfing zu bluten. Sie liebte diesen Anderen, und das war gut: Sie hatten sich eh nichts mehr zu sagen. Er las diese Seiten wieder und wieder.

Plötzlich stand ich auf und brüllte: “Hör auf!”, nicht, weil ich es wollte, es war mir total egal. Dass ich total verrückt geworden bin, flüstert sie, leise wie der Wahnsinn, während aie mich ansieht, das Blut von der Stirn vermischt sich mit ihrem Lidschatten. Ich weiß nicht, ob sie gerade in der richtigen Situation ist, mir zu unterstellen, ich wäre verrückt. Jedenfalls stinkt der ganze Raum nach ihrem Parfum.

“Ich meine das so: Dein ganzes Existenzrecht beruht darauf, dass du Menschen verletzt, wo du ihnen auch begegnest. Nicht, weil es dir egal ist, im Gegenteil. Du bist einfach komplett irre. Ich lege jetzt diese beschissene Pistole auf den Tisch. Und wenn du mir wirklich weh tun willst, dann schieß dir in deinen Kopf.”

Und ihr ist das egal, sie bleibt eiskalt, hält sich das Ding an die Schläfe, drückt ab, zuckt kurz zusammen und brüllt mich an: Was ich für ein feiges Schwein sei. Sie zielt auf mich, ein Schuss, zwei Schuss, drei Schuss, und vor dem vierten, insgesamt fünften, weiss ich: Ich werde sterben. Ich werde die einzige Kugel in diesem verdammten Lauf abbekommen, was ich ein treffendes Bild finde, bedenke ich, dass ich der Einzige bin, der in diese Farce einer Liebe investiert hat. 4, denke ich, höre den Schuss, sehe noch, wie sie auf die Knie fällt und denke: Es ist vorbei. Die nächsten vier Stunden wird sie dort an der Wand. Mir ist das egal. Ich bin tot. Ausgelöscht.

3 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. 21. März 2011 18:47

    Ich fühle mich verantwortlich für das Geschriebene.

  2. 21. März 2011 19:09

    wortlos wundervoll.

  3. 24. März 2011 18:45

    verstörend ist das irgendwie und ziemlich gut auch. like, sozusagen.

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