Ein Abend mit Frau Tausendschön
Kürzlich verlinkte ich hier ein Youtube-Video von Frau Tausendschön; mittlerweile habe ich sie auch live gesehen.
Für die Wiedergabe der Vita bin ich wie gewohnt zu faul und verweise auf die Tauschendschönsche Internetseite. Teilweise finde ich es etwas albern geschrieben, an der Grenze zum Fremdschämen, aber es soll ja hier nicht um eine Internetseite gehen. Frau Tausendschön hat übrigens mal vor langer Zeit eine Gärtnerlehre gemacht, was den Künstlernachnamen erklärt, denn Tausendschön ist eine andere Bezeichnung für Gänseblümchen.
(Quelle: http://www.nessi-tausendschoen.de)
Genug der Präliminarien und ran an den Seziertisch:
Es war ein unterhaltsamer Abend, der leider damit begann, dass Frau Tausendschön über 20 Minuten zu spät auf der Bühne erschien. In der ihr eigenen sympathischen, leicht divenhaften Art, die auf dem Umstand basiert, dass sie sich für die Herrscherin der Welt hält, hat sie sich natürlich nicht entschuldigt, sondern zunächst einmal das Publikum diszipliniert und fotografiert.
Schwerpunkt des Programms mit dem Titel “Weihnachtsfrustschutzprogramm” war, wer hätte es gedacht, die Weihnachtszeit. Um es vorweg zu nehmen: wir haben uns köstlich amüsiert und viel gelacht. Frau Tausendschön hat eine herrlich rotzige Art, bei der man sich beglückwünscht, nicht in der ersten Reihe zu sitzen. Da wird man sonst schnell angepöbelt, dass man gefälligst nicht zu husten habe, dass der Schnauzbart blöd aussieht oder das Lachen, das akustisch direkt dem Schweinestall entlaufen zu sein scheint, so mal gerade gar nicht geht.
Mühelos wechselt Frau Tausendschön Stimmung, Thema und Tonlage. Apropos Tonlage: es wurde recht viel gesungen, sehr zu meinem Leidwesen, weil ich das gar nicht leiden kann, aber die Stimme überzeugt auch Menschen wie mich davon, dass man das bisweilen ganz gut ertragen kann. Sehr schön war die Nummer, in der ein Weihnachtslied stilistisch immer neu dargeboten wurde: Hip Hop, Oper, Techno, Schlager, Wunschkonzert für’s Publikum. Die Frau hat eine tolle Stimme!
Frau Tausendschön gerät bisweilen etwas ins Stocken, weil sie selber lachen muss. Das ist an sich auch nichts Verwerfliches, wenn es aber mehrfach passiert und offenbar nicht nur an diesem Abend, dann stört mich das. Was mir auch nicht gefallen hat: das spontane Wiedererkennen von Standardsätzen und Redewendungen, die sie regelmäßig benutzt. Wenn mir das bei einem Künstler auffällt, den ich nicht besonders gut kenne, unterstelle ich ihm unfreundlicherweise ein eingeschränktes Repertoire. Und wenn ich dann, noch relativ wohlgesonnen, ein paar Tage später einen von ihr vorgetragenen Text und ein Chanson suche, um dann feststellen zu müssen, dass beides nicht von Frau Tausendschön stammt, dann finde ich das schade.
Fazit: Für die Rechtfertigung des Divenhaften erwarte ich noch etwas mehr. Einmal ansehen ist vollkommen ok, und sehr kurzweilig, reicht aber dann auch erst mal für eine Weile.


Ja, so kann das gehen – böse Überraschungen verstecken sich doch überall