Gelesen: Stalking
Ebenfalls auf meinem Stapel kürzlich gelesener Bücher: Stalking von Jason Starr
Den Autor kannte ich bislang noch nicht. Starr (Baujahr 1968) schreibt Kurzgeschichten, Drehbücher, Theaterstücke und Krimis. Vergesst das mit den Drehbüchern und Teaterstücken aber am besten ganz schnell wieder, weil diese Information sonst vollkommen falsche Erwartungen hinsichtlich seines Schreibstils erwecken könnte.
Die Geschichte an sich ist, wie der Titel genialerweise schon ja vermuten lässt, relativ einfach: Peter findet Katie toll und macht sich an die Frau seiner Träume ran, weil er um jeden Preis ihr Herz gewinnen möchte. Leider tun sich dabei einige Hindernisse auf, die unbedingt beseitigt werden müssen. Und als Katie auf ihn dann nicht wie erwünscht reagiert, wird Peter etwas ungehalten…
Als ich damit begonnen habe, das Buch zu lesen, dachte ich zunächst, ich sei in eine College-Geschichte geraten, alles wirkt etwas schrill und laut, oberflächlich und trivial. Als dann Peter die Szene betritt, fragt man sich zunächst, was an dem Mann so schlimm sein soll zumal er im Vergleich zu Katies aktuellen Vollpfosten-Freund zwar etwas öde, aber charakterlich sehr ok zu sein scheint. Dann fängt die Sache aber an zu kippen, und es wird einem Lesen doch schon etwas unbehaglicher. Und so spitzt sich die Sache langsam, aber sicher auf sehr beunruhigende Art und Weise zu.
Diese sich bei der Lektüre verändernde Wahrnehmung von Peter geschieht sukzessive und ist Starr gut gelungen. Schön auch der Kunstgriff, einige Szenen aus Peters Sicht und aus der von Katie zu erzählen, um so die unterschiedliche (und bei Peter eindeutig gestörte) Wahrnehmung darzustellen, was zunächst auch durchaus erheiternd ist. Ich habe dem Buch auch den nicht besonders anspruchsvollen Schreibstil verziehen, inklusive diverser Wort- und Formulierungswiederholungen. Es muss ja auch nicht immer gleich Thomas Mann mit seitenlangen Schachtelsätzen sein. Und es hat auch funktioniert, mich bis zum Ende so zu fesseln, dass ich das Buch schnell zu Ende lesen wollte, um zu wissen, wie das alles ausgeht.
Aaaaber: was ich gar nicht leiden kann, sind Geschichten, die ab einem gewissen Punkt die Plausibilität verlieren. Stellenweise ist nicht mehr nachvollziehbar, wieso gewisse Dinge passieren oder eben auch nicht. In Kombination mit einer Vorhersehbarkeit der weiteren Entwicklung, die leider völlig unoriginell ist, versetzt mich das in eine etwas ungnädige Stimmung. Und wenn dann noch das Ende vollkommen irrational ist und mich die letzten drei Sätze zu intensivem Fremdschämen für den Autor animieren, bin ich restlos vergnatzt.
Und so gibt es auf der Welt ein weiteres Buch, das von mir kein zweites Mal gelesen werden wird. Für eine Portion Spannung an einem müden Herbstabend ist es aber durchaus zu gebrauchen.
Fazit: Stephen King hätte daraus einen 1a-Thriller gestrickt; das Buch kann auch an Menschen verliehen werden, die etwas länger für die Rückgabe brauchen.


Tolle rezension! Und ich liebe das Wort Vollpfosten.
Also das Buch hab ich auch gelesen, ist schon ne Weile her.
Es wurde mal in der NEON empfohlen, da hole ich oft ganz nette Tips raus.
Ich fand das Buch seitenweise sehr gruselig und bin erschrocken wenn sich vorm Fenster was gerührt hat.
Die Formulierungen des Autors fand ich teilweise recht primitiv.
Den Schluss, okeee, brauchen wir nicht reden. Zu weit hergeholt und partiell schwierig nachvollziehbar.
Aber was meinst du mit “kein zweites mal lesen”? Liest du Bücher öfter?
Viele Grüße
Dann ging es dir bei der Lektüre ja ähnlich wie mir.
Ein gutes Buch ist wie ein guter Film; einfach eine Weile nicht beachten und dann irgendwann noch einmal lesen. Ich mag das total gerne, wenn die Neuerscheinungen unspannend sind und ich nichts Neues zu lesen habe, suche ich mir ein Buch raus, das ich vor Jahren zuletzt gelesen habe. Herrn Quadratmeter macht das wahnsinnig, er ist nämlich felsenfest davon überzeugt, dass es nur an meinen Bücherbergen liegt, dass wir in der Wohnung stellenweise leichte Platzprobleme haben. Was natürlich überhaupt nicht stimmt!
Das Buch hier kenne ich zwar nicht und nach deiner Beschreibung reizt es mich auch nicht so sehr, aber auch ich lese Bücher, die ich mag, mehr als einmal. Auch mehr als zweimal. Gute Bücher kann ich immer mal wieder lesen, nach mehreren Jahren und hunderten in der Zwischenzeit gelesenen anderen Büchern kann man sich ja auch wirklich nicht mehr an jede Einzelheit in jedem jemals gelesenen Buch erinnern.